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Arztkosten nach Kfz-Unfall auf dem Weg zur Arbeit steuerlich absetzbar

Ein Arbeitnehmer, der auf dem Weg zur Arbeit einen Kfz-Unfall hat, kann die daraus resultierenden Arztkosten als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit absetzen. Die Arztkosten sind nicht mit der Entfernungspauschale abgegolten, sondern können zusätzlich zur Entfernungspauschale abgesetzt werden.

Hintergrund: Fahrten eines Arbeitnehmers zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte werden mit einer Entfernungspauschale von 0,30 € pro Entfernungskilometer steuerlich berücksichtigt. Durch die Entfernungspauschale sind sämtliche Aufwendungen abgegolten, die durch den Weg zwischen Wohnung und Arbeit veranlasst sind.

Sachverhalt: Die Klägerin war Arbeitnehmerin und hatte im Jahr 2013 auf dem Weg zur Arbeit einen Kfz-Unfall, der bei ihr zu schweren Verletzungen im Gesicht führte. Dies machte eine Operation im Bereich der Nase im Jahr 2014 erforderlich, deren Kosten zum Teil von der Berufsgenossenschaft übernommen wurden. Den verbleibenden Kostenanteil von ca. 2.400 € machte die Klägerin als Werbungskosten geltend, die das Finanzamt nicht anerkannte.

Entscheidung: Der Bundesfinanzhof (BFH) gab der hiergegen gerichteten Klage statt:

  • Die Arztkosten sind beruflich veranlasst, da die Fahrt von der Wohnung zur Arbeit beruflich veranlasst war. Sie sind daher grundsätzlich als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit absetzbar.
  • Die Arztkosten sind nicht mit der Entfernungspauschale abgegolten. Die Entfernungspauschale gilt nur die fahrzeug- und wegstreckenbezogenen Aufwendungen ab, z.B. die Reparaturkosten für das beschädigte Kfz.
  • Die Abgeltungswirkung besteht nicht für Arztkosten, die aufgrund der Heilbehandlung infolge des beruflich veranlassten Kfz-Unfalls entstehen. Arztkosten sind keine fahrzeug- und wegstreckenbezogenen Aufwendungen, also keine beruflichen Mobilitätskosten, und werden daher nicht mit der Entfernungspauschale abgegolten.

Hinweise: Das Urteil ist hinsichtlich der Arztkosten positiv. Dabei ist zu berücksichtigen, dass eine Erstattung von der Krankenversicherung, von der Berufsgenossenschaft oder vom Unfallverursacher bzw. dessen Versicherung abzuziehen sind, so dass nur ein etwaiger Differenzbetrag als Werbungskosten abgezogen werden kann.

Nicht positiv sind jedoch die Ausführungen des BFH zu den Reparaturkosten des Kfz, die im aktuellen Fall nicht streitig waren. Der BFH erkennt die Reparaturkosten nämlich nicht als Werbungskosten an, weil sie mit der Entfernungspauschale abgegolten sind. Großzügiger ist insoweit die Finanzverwaltung, die Unfallkosten grundsätzlich als Werbungskosten zusätzlich zur Entfernungspauschale anerkennt. Für Arbeitnehmer ist die Auffassung der Finanzverwaltung positiv, weil sie dazu führt, dass Unfallkosten grundsätzlich steuerlich berücksichtigt werden und eine Klage, die vor dem BFH keinen Erfolg hätte, nicht erforderlich wird.

BFH, Urteil v. 19.12.2019 - VI R 8/18; NWB

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Veröffentlicht am: 8. April 2020

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